Über Hörsturz
Im Herbst 2000 bildete sich die Gruppe "Hörsturz - Interessengemeinschaft für Bremer Radiokultur". Sie wendet sich gegen das sinkende Niveau im öffentlich-rechtlichen Radio, vor allem in den sogenannten Kulturwellen. Der Auslöser dafür war seinerzeit die Abschaffung des Programms "Radio Bremen 2" und die Schaffung des NordwestRadios.
Wir als Gebührenzahler erwarten von einem Kulturradio, dass es intelligent, kritisch, vielseitig und originell ist, dass es seinen Hörern einiges zutraut und auch manchmal zumutet - aber nicht Banalität und Mittelmaß, sondern Musik zum Hin- und Nachhören, Wortbeiträge, die nicht nach drei Minuten gekappt werden, Moderatoren, die wissen, wovon sie sprechen (und die sprechen können!).
Mit dem NordwestRadio aber hat der damalige Radio-Bremen-Intendant, der seinerzeit vom NDR kam, erfolgreich das Konzept umgesetzt, ein "Durchhör-Radio" zu schaffen, das verwechselbar und austauschbar vor sich hin plätschert, das niemanden stört, auf das aber auch niemand gezielt hört. Und nach der Reform der Reform der Reform dieser Welle präsentiert sich dem Hörer ein Programm. das seinem Bildungsauftrag nur sehr bedingt nachkommt und auch ein Gespür für Inhalte vermissen lässt: Da gibt es statt klassischer Musik das "Klassik Highlight", das an Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad häufig an Handy-Klingeltöne erinnert. Oder die Unsitte, eine Vorlesesendung nicht etwa mit der Möglichkeit zu beenden, dem Gehörten nachzusinnen, sondern noch ein Gedicht hinterher zu schicken, das weder stilistisch noch zeitlich noch sonst irgendwie Bezug auf den vorher gehörten Text nimmt.
Ja, es gibt gute Sendungen, aber es bleibt dem Zufall überlassen auf diese im Durchhör-Radio zu stoßen. Das gedruckte Programm der Tagesschiene gibt über möglicherweise interessante Sendungen keinerlei Auskunft. Wichtige Aussagen z.B. in "Gesprächszeit", "Nordwest vor Ort" oder "Sommer-" resp. "Wintergäste" werden allerdings durch enervierende Gesangsmusiken konterkariert und machen damit eine gut geführte Zuhör-Sendung kaputt. Abends und am Wochenende -hier gibt es detailierte Programmhinweise- kann man erleben, wie gutes Radio sein kann: Es gibt "Fundsachen", ein originelles Sammelsurium aus Gedichten, O-Ton-Reportagen und inhaltsbezogener Musik, es gibt eindrucksvolle Features (zum Glück werden sie so oft wiederholt, dass man garantiert die verpassten Teile irgendwann noch erwischt).Und es gibt hörenswerte, kompetent moderierte Musiksendungen.
Hörsturz - Interessengemeinschaft für Bremer Radiokultur fordert:
- Umfassende und kompetente Informationen über die wesentlichen kulturellen Ereignisse - nicht der Ort des Geschehens ist entscheidend, sonder die Bedeutung der Veranstaltung. Dabei muss in Kauf genommen werden, dass in Bremen nun mal mehr stattfindet als im Umland.
- Journalisten, die ihren journalistischen Auftrag ernst nehmen und erfüllen wollen und dürfen.
- Ein spannungsreicheres und vielseitigeres Musikprogramm ohne Dauerschleife.
- Einen verlässlichen Charakter als Kulturprogramm, das sich nicht an Quoten orientiert, sondern am Kulturauftrag - siehe hierzu auch die Empfehlungen der Enquete-Komission "Kultur in Deutschland" vom Dezember 2007.

