Interessengemeinschaft für Bremer Radiokultur


Die 10. Hörsturz-Nacht fand
am 12. März 2010 statt.
Vielen Dank an alle Beteiligten!
Es war mal wieder
ein großartiger Abend.
... und das schreibt der Weser-Kurier:

http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/Stadtteile/Oestliche-Vorstadt/132370/Bremen%2C+wie+es+singt+und+liest.html

                  


            


 

   



 


Gerd Daaßen
Chefsprecher
D e u t s c h l a n d f u n k

Bratwurst mit Senf. Nicht gesund. Aber unproblematisch zu essen. Und doch wohl auch leicht auszusprechen bei der Bestellung im Imbiss. Denkste! Dessen werde ich gewahr, als ich während meines Musikwissenschaftsstudiums unvorbereitet und fachfremd in eine Rhetorik- und Sprechkunstveranstaltung hineinplatze. Nein, Bratwurst gibt es dort nicht, Essen im Hörsaal ist untersagt.
Dafür einen Professor,der Kunst und Schönheit guten und verständlichen Sprechens so kurzweilig darstellt, dass ich regelmäßig dabei bin. Die Stimm- und Sprechlehrerin, zu der ich bald danach mein Studentensalä trage, kontert meinen Wunsch, auch komplizierte Wörter gut aussprechen zu lernen, mit dem Hinweis, ich solle lieber bei den einfachen Wörtern anfangen. Wie ich verreisel 'Mimm Zuch!" Zu rheinisch. "Mit dem Zug, bitte!" Aufpassen auch bei der Bratwurst - schließlich heiße die Zutat Senf. Und nicht Semf. Erwischt! Gebraten
werde in der Pfanne. Die Fanne sei tabu. Ob ich Sport treibe? Dann könne ich ja auf Spocht verzichten. Und bei Honig könne ich nichts wiedergutmachen, er heiße wirklich ,Honich., und nicht >Honik<. Dass einfache Wörter so kompliziert sein können! Aufdem Stundenplan: Stimmbildung, Atemübungen, Sprechtechnik und Texte, Texte, Texte: Sachtexte, Kommentare, Literatur, Nachrichten, Pressestimmen, Konzertansagen.
"Nur die angemessene sprecherische
Haltung vermittelt den Inhalt eines Textes und 1ässt ihn wirken, Aussprache ist kein Selbstzweck!"
Aha.
Vor zwölf fahren lässt mich Henrik Koy a1s Deutschlandfunk-Chefsprecher mutig zu den Nachtkonzerten ans Mikrofon, die Musik sei ja meine eigentliche Heimat. Bald kommen die anderen Aufgaben des Sprecherensembles hinzu: Nachrichten, Presseschauen, für die Hörer fernab desFestlandes umfängliche Seewetterberichte, Verkehrsmeldungen, dazu Aufnahmen, die später ins Programm einfließen.
Für einige Jahre leihe ich auch dem WDR meine Stimme. (>Konzentration, bloß nicht den falschen Sender nennen!")
Wenn ich heute Lust auf komplizierte Wörter habe, im Rundfunkalltag meist Namen, betrete ich einfach ein Studio. Dort warten u. a.: Rzeczpospolita,
Surab Asmaiparaschwili, György Ligeti, Wen jiabao,
Sonatori de la Gioiosa Marca, Jean-Baptiste le Rond d'Alembert. Fremdsprachenkenntnisse und ein ausgeprägtes Sprachgefühl helfen dann weiter, außerdem etliche Aussprachewörterbücher sowie die ARD-Aussprachedatenbank.
Was ich heute esse? Spaghetti aglio olio e peperoncini? Tagliatelle ai funghi porcini? Ach was. Im Imbiss hört's ja keiner: "Eine Bratwurst mit Semf
bitte!"

Gefunden im Programmheft deutschlandfunk 1/09